Cannabis Geschichte: Von den Anfängen bis zum Cannabisgesetz 2024

Historische Hanfpflanze und Zeitstrahl der Cannabis Geschichte

Cannabis begleitet den Menschen seit Jahrtausenden: als Faserpflanze, als Nahrung, als Heilmittel und als Rauschmittel.

Dann folgten fast hundert Jahre Verbot, bis sich die Politik weltweit wieder bewegte. In Deutschland markiert das Cannabisgesetz vom April 2024 den bisher größten Einschnitt. Hier ist die Geschichte von Cannabis, von den ersten Feldern in Ostasien bis heute.

Kurz zusammengefasst

  • Ursprung: Laut einer Genomstudie wurde Cannabis vor rund 12.000 Jahren in Ostasien domestiziert.
  • Erster Rausch-Nachweis: Rund 2.500 Jahre alte Räuchergefäße aus dem Pamir-Gebirge zeigen Spuren von THC.
  • Verbot: Ab den 1920er Jahren wurde Cannabis international und in Deutschland verboten.
  • Wende: Medizinisches Cannabis auf Rezept seit 2017, Teillegalisierung durch das Cannabisgesetz seit dem 1. April 2024.

Inhalt

  1. Ursprung: Eine der ältesten Kulturpflanzen
  2. Antike: Ritual, Medizin und erste Berichte
  3. Hanf in Europa: Seile, Segel und Papier
  4. 19. Jahrhundert: Cannabis als Medizin
  5. Das Verbot: Von Genf bis zum Betäubungsmittelgesetz
  6. Gegenkultur und Wissenschaft
  7. Die Wende: Legalisierung weltweit und in Deutschland
  8. Zeitstrahl: Cannabis Geschichte auf einen Blick
  9. Heute und Ausblick
  10. Risiken: Was du wissen solltest
  11. Häufige Fragen

Ursprung: Eine der ältesten Kulturpflanzen

Lange galt Zentralasien als Heimat von Cannabis. Eine große Genomstudie unter Leitung der Universität Lausanne hat 2021 ein anderes Bild gezeichnet: Die Forscher verglichen 110 Genome von Wild-, Land- und Zuchtsorten und kamen zu dem Ergebnis, dass Cannabis vor rund 12.000 Jahren in Ostasien domestiziert wurde. Damit gehört Hanf zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit.

Anfangs nutzten die Menschen vor allem Fasern und Samen. Erst vor rund 4.000 Jahren entstanden durch gezielte Auswahl getrennte Linien: Faserhanf mit langen Stängeln und Sorten mit besonders vielen Wirkstoffen.

Antike: Ritual, Medizin und erste Berichte

Den bisher frühesten eindeutigen Beleg für die Nutzung als Rauschmittel fanden Forscher des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte im Pamir-Gebirge im Westen Chinas. In rund 2.500 Jahre alten hölzernen Räuchergefäßen aus Gräbern des Friedhofs Jirzankal wiesen sie chemische Rückstände nach, mit einem höheren THC-Gehalt als in wilden Pflanzen. Cannabis wurde dort offenbar bei Bestattungsritualen verbrannt.

Etwa zur selben Zeit beschrieb der griechische Geschichtsschreiber Herodot, wie die Skythen, ein Reitervolk der eurasischen Steppe, Hanfsamen in kleinen Zelten auf heißen Steinen verbrannten und den Rauch einatmeten. In Indien taucht Cannabis als „Bhang“ schon in den alten vedischen Schriften auf und hat dort bis heute einen festen Platz in religiösen Festen. Auch die traditionelle chinesische Medizin nutzt Hanf seit Jahrhunderten.

Hanf in Europa: Seile, Segel und Papier

In Europa war Hanf über viele Jahrhunderte vor allem eine Nutzpflanze. Aus den robusten Fasern entstanden Seile, Segeltuch, Kleidung und Papier. Für die Seefahrt war Hanf so wichtig, dass er in vielen Ländern in großem Stil angebaut wurde. Die berauschende Wirkung spielte in Europa dagegen lange kaum eine Rolle.

19. Jahrhundert: Cannabis als Medizin

In die westliche Medizin brachte Cannabis vor allem der irische Arzt William Brooke O'Shaughnessy. Er hatte die Pflanze in Indien kennengelernt und veröffentlichte 1839 seine Beobachtungen zur medizinischen Anwendung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren Cannabis-Tinkturen in Europa und den USA in vielen Apotheken erhältlich, etwa gegen Schmerzen, Krämpfe und Schlafstörungen.

Das Verbot: Von Genf bis zum Betäubungsmittelgesetz

Im 20. Jahrhundert drehte sich der Wind. Auf der internationalen Opiumkonferenz in Genf 1925 wurde „Indischer Hanf“ in die internationale Drogenkontrolle aufgenommen. Deutschland setzte das Ende der 1920er Jahre im Opiumgesetz um. In den USA folgte 1937 der Marihuana Tax Act, der Cannabis faktisch verbot.

1961 schrieb das Einheitsabkommen der Vereinten Nationen über Suchtstoffe das weltweite Verbot fest. In Deutschland löste 1971 das Betäubungsmittelgesetz das alte Opiumgesetz ab. Damit war Cannabis über Jahrzehnte eine illegale Droge. Besitz, Anbau und Handel standen gleichermaßen unter Strafe.

Gegenkultur und Wissenschaft

Gleichzeitig wurde Cannabis in den 1960er und 1970er Jahren zum Symbol der Gegenkultur und der Hippie-Bewegung. Auch die Wissenschaft machte große Schritte: 1964 entschlüsselten die israelischen Forscher Raphael Mechoulam und Yehiel Gaoni die Struktur von THC. Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre entdeckten Wissenschaftler im menschlichen Körper Rezeptoren und körpereigene Botenstoffe, an die Cannabinoide andocken: das Endocannabinoid-System.

Auch die Konsumformen haben eine lange Geschichte. Wie sich die Bong von antiken Wasserpfeifen bis zum modernen Glas entwickelt hat, erzählen wir in Die Geschichte der Bong.

Die Wende: Legalisierung weltweit und in Deutschland

Im 21. Jahrhundert begann weltweit ein Umdenken. 2013 legalisierte Uruguay als erstes Land Cannabis für den Freizeitkonsum, 2018 folgte Kanada. Im Dezember 2020 strich die Suchtstoffkommission der Vereinten Nationen Cannabis aus der strengsten Kategorie des Einheitsabkommens. 2021 erlaubte Malta als erstes EU-Land Besitz und Eigenanbau.

In Deutschland können Ärztinnen und Ärzte seit März 2017 Cannabis als Medizin verschreiben. Am 1. April 2024 trat schließlich das Cannabisgesetz in Kraft: Cannabis wurde aus dem Betäubungsmittelgesetz gestrichen, Erwachsene dürfen seitdem begrenzte Mengen besitzen und bis zu drei Pflanzen anbauen. Seit dem 1. Juli 2024 dürfen Anbauvereinigungen gemeinschaftlich anbauen. Alle aktuellen Regeln findest du in Cannabisgesetz 2026: Was ist in Deutschland erlaubt?. Wie Anbau und Mitgliedschaft im Detail funktionieren, erklären wir in Cannabis Eigenanbau in Deutschland und Cannabis Social Club beitreten.

Zeitstrahl: Cannabis Geschichte auf einen Blick

Wann Was
Vor rund 12.000 Jahren Domestizierung in Ostasien
Vor rund 4.000 Jahren Getrennte Linien für Fasern und Wirkstoffe entstehen
Vor rund 2.500 Jahren Früheste eindeutige Rauschnutzung bei Ritualen im Pamir-Gebirge
5. Jahrhundert v. Chr. Herodot beschreibt den Hanfrauch der Skythen
1839 O'Shaughnessy bringt Cannabis in die westliche Medizin
1925 Opiumkonferenz Genf: Indischer Hanf unter internationaler Kontrolle
1937 USA: Marihuana Tax Act
1961 UN-Einheitsabkommen über Suchtstoffe
1964 Struktur von THC entschlüsselt
1971 Deutschland: Betäubungsmittelgesetz löst das Opiumgesetz ab
2013 Uruguay legalisiert als erstes Land
2017 Deutschland: Cannabis als Medizin auf Rezept
2018 Kanada legalisiert
2020 UN streicht Cannabis aus der strengsten Kategorie
2021 Malta erlaubt als erstes EU-Land Besitz und Eigenanbau
1. April 2024 Deutschland: Cannabisgesetz tritt in Kraft
1. Juli 2024 Deutschland: Anbauvereinigungen dürfen starten

Heute und Ausblick

Das Cannabisgesetz wird laufend wissenschaftlich ausgewertet. Die Bundesregierung sieht nach den bisherigen Evaluationen Handlungsbedarf, vor allem beim Jugendschutz und beim medizinischen Cannabis. Eine Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes, die Online-Rezepte und den Versand von Blüten einschränken soll, ist im Bundestag, aber noch nicht beschlossen. Mit der Rückkehr in die Apotheke stellen sich auch neue Qualitätsfragen, etwa der Verdacht auf Wachstumsregulatoren, den wir in PGR Gras in deutschen Apotheken? untersuchen. Am Konsumcannabisgesetz selbst hat sich bisher nichts geändert. Den aktuellen Stand verfolgen wir im Ausblick unseres CanG-Artikels.

Risiken: Was du wissen solltest

Zur Geschichte von Cannabis gehört auch, die Risiken ehrlich zu benennen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt vor allem diese Punkte:

  • Abhängigkeit: Wie bei den meisten Substanzen kann sich auch der Konsum von Cannabis problematisch entwickeln und abhängig machen.
  • Junge Menschen: Bis zum Alter von etwa 25 Jahren reift das Gehirn noch. Wer in dieser Zeit regelmäßig konsumiert, geht ein höheres Risiko ein.
  • Psychosen: Bei Menschen mit einer Veranlagung für Psychosen können schon geringe Mengen eine Psychose auslösen.
  • Rauchen und Tabak: Vor allem in Kombination mit Tabak reizt das Rauchen die Atemwege und kann langfristig Lunge und Gesundheit schädigen. Wie sich Rauchen und Vaporisieren unterscheiden, liest du in Ist Vaporisieren gesünder als Rauchen?.
  • Straßenverkehr: Es gilt ein THC-Grenzwert, und Mischkonsum mit Alkohol ist am Steuer komplett verboten. Details im CanG-Artikel.

Hilfe und Beratung: Wenn du dir Sorgen um deinen eigenen Konsum oder den einer anderen Person machst, findest du anonyme Unterstützung bei drugcom.de und cannabispraevention.de sowie telefonisch bei der Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031.

Häufige Fragen

Woher kommt Cannabis ursprünglich?

Aus Ostasien. Laut einer Genomstudie von 2021 wurde Cannabis dort vor rund 12.000 Jahren domestiziert.

Seit wann wird Cannabis als Rauschmittel genutzt?

Der bisher früheste eindeutige Nachweis ist rund 2.500 Jahre alt. In Gräbern im Pamir-Gebirge fanden Forscher Räuchergefäße mit THC-Rückständen.

Wann wurde Cannabis in Deutschland verboten?

Ende der 1920er Jahre wurde Indischer Hanf in das Opiumgesetz aufgenommen. 1971 löste das Betäubungsmittelgesetz das Opiumgesetz ab.

Seit wann ist Cannabis in Deutschland legal?

Als Medizin auf Rezept seit März 2017. Für Erwachsene sind Besitz in begrenzten Mengen und Eigenanbau seit dem 1. April 2024 erlaubt, ein freier Verkauf aber weiterhin nicht.

Welches Land hat Cannabis zuerst legalisiert?

Uruguay im Jahr 2013. Innerhalb der EU war Malta 2021 das erste Land, das Besitz und Eigenanbau erlaubt hat.

Fazit

Von der Faserpflanze in Ostasien über Rituale, Medizin und fast ein Jahrhundert Verbot bis zur Teillegalisierung: Die Geschichte von Cannabis ist so alt wie der Ackerbau selbst. Mit dem Cannabisgesetz 2024 hat Deutschland ein neues Kapitel aufgeschlagen, dessen Ende noch offen ist.

Quellen

Bild mit KI erstellt oder bearbeitet

Cannabis Geschichte & entwicklung